WKOÖ-Plan gegen den Fachkräftemangel: 4 von 5 offenen Stellen könnten besetzt werden

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Doris Hummer
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Statistik zur Beschäftigung in OÖ:  Oberösterreich verzeichnet eine Rekordbeschäftigung © WKOÖ
Oberösterreich verzeichnet eine Rekordbeschäftigung © WKOÖ
09.11.2021

Die Arbeitslosigkeit sinkt in OÖ, die Zahlen liegen bereits unter dem Vorkrisenniveau. Zugleich verzeichnet OÖ jedoch die höchste Anzahl an offenen Stellen: 31.169. Das sind 40,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Absoluter Rekord. Aus einer aktuellen Fachkräfte-Erhebung geht hervor, dass 75 Prozent der befragten Unternehmen dringend Fachkräfte suchen. In den nächsten drei Jahren rechnen sie mit einer Verschärfung der Lage.

Der Wirtschaftsmotor brummt wieder, die Arbeitslosigkeit sinkt. Mittlerweile liegen die Arbeitslosenzahlen bereits unter dem Vorkrisenniveau. Oberösterreich verzeichnet einen Beschäftigungsrekord nach dem anderen. Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte bald die Marke von 700.000 übersteigen.  

Die Wirtschaftskammer Oberösterreich unterstützt die Betriebe bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter bestmöglich. WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer ortet „Personalreserven“ bzw. „freie Kapazitäten“ in folgenden vier Bevölkerungsgruppen: „Ältere Arbeitnehmer und Pensionisten, Asylberechtigte und Personen mit Migrationshintergrund, Frauen und bereits länger arbeitslose Menschen bilden aktuell das größte Beschäftigungspotenzial.“

Arbeitsmarktpolitische Initiativen sind jetzt nötig 

Um diese Gruppen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, müssen bestehende Beschäftigungshindernisse beseitigt werden. Gleichzeitig bedarf es neuer Beschäftigungsanreize, die Erwerbsarbeit zu attraktivieren. Friedrich Dallamaßl, Direktor-Stv. der WKOÖ, veranschaulicht anhand einer Modellrechnung: „Von 31.200 freien Stellen in OÖ sind 24.200 besetzbar, wenn man die richtigen Maßnahmen ergreift.“

„Die Zukunft des Arbeits- und Wirtschaftsstandortes Oberösterreich, unseres breiten Wohlstandes und des gut ausgebauten Sozialsystems werden ganz wesentlich davon abhängen, ob es uns gemeinsam gelingt, für die Betriebe sämtliche freie Arbeitskapazitäten gezielt zu erschließen und damit den Fach- und Arbeitskräftemangel entscheidend zu entschärfen!“, betont Hummer.

 

Von  31.200 freien Stellen sind 24.200 besetzbar

Eine rasche Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen in die vorgeschlagene Richtung würde dazu führen, dass viele freie Stellen mit Personen aus den genannten Potenzialgruppen besetzt werden könnten, wie eine Modellrechnung der WKO Oberösterreich veranschaulicht:

Ältere Arbeitnehmer/Pensionisten

Erhöhung der Zahl der Arbeitnehmer 55+ (derzeit ca. 108.000) um 3 Prozent und Erhöhung der Zahl der Neu-Pensionisten (aktuell pro Jahr 14.000) um 20 Prozent, die neben ihrer regulären Alterspension eine Beschäftigung über der Geringfügigkeitsgrenze haben:
= Rund 6.000 ältere Arbeitnehmer/Pensionisten mehr in Beschäftigung

 

Frauen

Steigerung der Frauenerwerbsquote (aktuell ca. 300.000 Beschäftigte) um 3 Prozent:
= Rund 9.000 mehr Frauen in Beschäftigung

 

Arbeitslose

Steigerung der Arbeitsaufnahmen bei den beim OÖ AMS vorgemerkten Arbeitslosen (aktuell ca. 29.100 Personen) um 20 Prozent bzw. Vermittlung von zumindest 10 Prozent der derzeitig in Schulung befindlichen Arbeitssuchenden (aktuell rund 9.500 Personen): 
= Rund 6.800 mehr Arbeitslose/Schulungsteilnehmer in Beschäftigung

 

Asylberechtigte & qualifizierte Ausländer

Steigerung der Arbeitsaufnahmen von arbeitslosen Asylberechtigten (aktuell ca. 2.900) um 50 Prozent sowie Anhebung der Rot-Weiß-Rot-Card-Bewilligungen (aktuell ca. 900) um 100 Prozent:
= Rund 2.400 mehr Asylberechtigte/qualifizierte Ausländer in Beschäftigung

Noch höher wird diese Zahl, wenn sich noch mehr Schulabgänger für eine Lehre entscheiden bzw. mehr Menschen mit Beeinträchtigungen als zusätzliche Mitarbeiter gewonnen werden können. Gleichzeitig sollten jene arbeitsmarktpolitischen Instrumente auf den Prüfstand gestellt werden, die den Betrieben bzw. dem Arbeitsmarkt Kraft entziehen: Altersteilzeit, überschießende Kurzarbeitsmöglichkeiten oder die Bildungskarenz hatten in der jüngsten Vergangenheit zweifellos ihre Berechtigung, verschärfen aber gegenwärtig den Fach- und Arbeitskräftemangel.